Interview

Tarek

Seit seinem vierten Lebensjahr trainiert Tarek El-Saleh Budokan Karate bei seinem Vater, Großmeister Abed El-Saleh, der den 10. Dan im Budokan Karate innehat. Nach seiner Ausbildung bei seinem Vater erlernte Tarek zusätzlich Kickboxen und parallel dazu K-1. Mittlerweile ist er Headcoach für Kickboxen, K-1, Muay-Thai und besitzt die Trainer A-Lizenz im Kickboxen. Er gründete im Februar 2009 das Team Sharks in Sindelfingen.
Tarek El-Saleh trainiert alle Altersklassen und vermittelt dabei traditionelle Werte des Kampfsports wie Respekt, Anstand und Höflichkeit. Im Vordergrund steht stets das Team, nicht der Einzelne.

Herr El-Saleh, Sie haben bereits als Kind mit dem Kampfsport begonnen. Können Sie uns mehr darüber erzählen, wie es dazu kam?
Bereits im Alter von vier Jahren begann mein Vater spielerisch, mich an den Kampfsport heranzuführen. Das Training bereitete mir von Anfang an große Freude, wurde jedoch mit jedem Jahr intensiver und anspruchsvoller. Mit 12 oder 13 Jahren erlebte ich schließlich den entscheidenden Moment, in dem ich mich dem Kampfsport ernsthaft widmete.

Was genau hat dazu geführt, dass es bei Ihnen „Klick“ gemacht hat und Sie sich ernsthaft dem Kampfsport gewidmet haben?
In den 1990er Jahren gewann das Kickboxen zunehmend an Popularität, und ich hatte das Glück, es in mein Training zu integrieren. Die Kombination aus Karate und Kickboxen bereitete mir große Freude, dennoch blieb ich dem Karate aufgrund seiner tief verwurzelten Traditionen treu. Ich nahm an zahlreichen internationalen Wettkämpfen teil, die mir halfen, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und meine Leidenschaft für den Kampfsport zu vertiefen.

Was hat Ihnen der Kampfsport gegeben?
Am meisten hat mir der Kampfsport Ruhe und Disziplin gegeben. Je länger ich trainierte, desto mehr bemerkte ich, wie wichtig diese Werte für mein tägliches Leben sind. Karate hat mir Anstand beigebracht, und der saubere Auftritt war immer ein zentraler Bestandteil meiner Philosophie.

Hatten Sie jemals das Gefühl, Ihre Überlegenheit auf der Straße ausleben zu müssen, oder haben Sie sich immer darauf konzentriert, die Prinzipien und Werte des Kampfsports in Ihrem Alltag anzuwenden?
Während meiner gesamten Schulzeit musste ich mich nur zweimal auf dem Schulhof verteidigen, was zeigt, dass Kampfsport nicht nur Selbstverteidigung ist, sondern auch das Selbstbewusstsein stärkt, Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Wie entstand bei Ihnen der Wunsch, Ihre Kampfkunstfähigkeiten zu teilen und als Trainer arbeiten zu wollen?

Bereits mit 22 kam bei mir der Wunsch auf, meine Kampfsportfähigkeiten an andere weiterzugeben. Schon mit 14 hatte ich bei den Trainings meines Vaters Kinder und Jugendliche unterstützt. Als mein Vater auswanderte, blieb die Leidenschaft fürs Unterrichten bestehen. Im Februar 2009 gründete ich das Team Shark. Seitdem leite ich das Studio parallel zu meiner Arbeit.

Wie schaffen Sie es, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen, eine erfolgreiche Kampfsportschule zu führen und dennoch beinahe täglich selbst zu trainieren oder in den Ring zu steigen?

Ich setze mir täglich klare Ziele und verfolge sie mit der Entschlossenheit, jeden Tag das Bestmögliche zu erreichen. Diese Hingabe erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Zeitmanagement, was mir durch die Unterstützung meiner Familie und vor allem durch meine Frau erleichtert wird. Die Freude daran, Wissen weiterzugeben und Menschen bei ihrer persönlichen und sportlichen Entwicklung zu begleiten, motiviert mich stets, mein Bestes zu geben. Dabei ist es besonders wertvoll zu sehen, wie sich mein Co-Trainer Deniz Kirbach seit Jahren immer weiterentwickelt und meine Lehre verinnerlicht.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration und wie entwickelt sich Ihre Trainingslehre im Kampfsport stetig weiter?

Ich tausche mich viel mit anderen Trainern aus und bin oft im Ausland, um mich darüber zu informieren, wie in typischen Kampfsportnationen wie Japan oder Thailand trainiert wird. Doch inzwischen inspiriere ich mich am meisten selbst. Bei jedem Training gibt es die Möglichkeit, es zu hinterfragen und beim nächsten Mal noch mehr zu verfeinern.

Sie erwähnten, dass Ihnen die Arbeit mit Kindern besonders am Herzen liegt und dass Sie Ihnen die Werte Ihrer Kampfsportschule schon früh vermitteln möchten. Können Sie uns mehr darüber erzählen, wie Sie dies in Ihrem Trainingsprogramm umsetzen und welche Methoden Sie anwenden, um die Konzentration und das Auffassungsvermögen der Kinder zu fördern?

Bei Kindern ist es heutzutage tatsächlich schwieriger als noch vor einigen Jahren. Ihre Konzentration lässt frühzeitig und schnell nach, und das Auffassungsvermögen ist eingeschränkt. Die Lösung und Weiterentwicklung liegt darin, ein hartes Training mit anspruchsvollen und konsequenten Methoden zu kombinieren. Ich fördere die Kinder, mache aber auch klar, dass sie sich nur entwickeln, wenn sie die Trainingsinhalte befolgen. Manchmal ist die Konsequenz, dass wir Ausdauertraining machen müssen, solange, bis Ruhe und Einsicht einkehren. Diese Herangehensweise hat gezeigt, dass es auch für die aktuellen Probleme Lösungen durch entsprechende Trainingsmethoden gibt.

Inwieweit ist Ihre jahrelange Erfahrung und die daraus resultierende Trainingslehre auch der Unterschied zwischen einer Kampfsportschule und einem Kampfsportclub?

Kampfsportclubs fehlt oft das Fundament, von dem ich in diesem Interview berichte. Kampfsportclubs gibt es wie Sand am Meer. Eine Kampfsportschule hingegen ist wie eine Bildungsstätte; es gibt klare Regeln. Die Eltern dürfen beispielsweise beim Training nicht anwesend sein. Wir treten einheitlich in einer Kleiderordnung und mit sichtbarer Zugehörigkeit auf. Auf der Matte verschwinden alle politischen Ansichten, Herkunft, Religionen und unterschiedlichen Meinungen. Uns interessiert das nicht. Höfliches und respektvolles Miteinander, das verbindet uns. Weil ich mit vier Jahren mit asiatischen Respektwerten groß geworden bin, ist das auch hier in meiner Schule so.

Lieben Dank für das Interview und dafür, dass die Freunde der Gesundheits- und Sportwochen Ihre Kampfschule am Tag der offenen Türe, am 29.03. erleben dürfen!

 

 

 

 

 

 

 

ernlegrafik weiss